neue Werkreihe zum Thema: Ethnophaulistische Ver-Anderung

Diese Werkreihe beschäftigt sich inhaltlich mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen, insbesondere in Europa und speziell in Deutschland, sowie die daraus resultierenden gesellschaftlichen Spaltungen, welche sicherlich auf mannigfaltige Gründe zurückzuführen sind. Nebst etlichen empirischen Studien versucht der englische Publizist David Goodhart eine Ursache für den bösartigen Populismus unserer Tage zu liefern, die in der globalen Welt zur Bildung zweier neuer „Meta-Klassen“ führte, welche ambivalenter hätten nicht sein können. Die Rede ist hier von den sogenannten Separat-Kulturen der Anywheres und Somewheres, die sich bereits in einem gegenseitigen Kulturkrieg befinden. Die wesentlichen Merkmale der Anywheres (im Sinne von „Nirgendwos“ oder Typen, die überall zuhause sein können) sind gekennzeichnet durch ihre intellektuelle Provinzialität und einer Ortsgebundenheit, die jederzeit die Möglichkeit eines Umzugs offen hält, was häufig auch unkompliziert umgesetzt wird. Zu ihnen gehören etwa die gut bezahlten mobilen Angestellten, Freelancer, die Kosmopoliten, Weltenbummler, Künstler, Intellektuelle und Kreativen, die Gebildeten und Bildende als auch Moralisten und Weltbürger also allesamt Konstrukteure ihres eigenen Lebens auf der sinnstiftenden Suche nach neuen geistigen, physischen und spirituellen sowie horizonterweiternden Herausforderungen. Man bezeichnet sie als die Gewinner der Golbalisierung und der globalen Urbanisierung, womit nicht immer eine lokale Urbanität gleichzusetzen ist. Die Anywheres vereinen in sich, unabhängig ihrer Herkunft und Mentalität, die universalistischen Werte und repräsentieren die kulturelle Hegemonie der multimobilen Großstädter. 



Die Somewheres (die Dagebliebenen, Daheimgebliebenen oder auch die Abgehängten) sind hingegen diejenigen, die aus diversen und nicht immer durch äußere Umstände verursachten Gründen eine lokale Gebundenheit eingegangen sind, weil sich allem Anschein nach nichts anderes ergeben hätte. Das heimische Gefühl lässt sich aber teilweise gänzlich vermissen, während man die vom Zerfall bedrohten Hochhaus-Ghettos bewohnt, oder in Provinzen, wo das LTE-Netz als die schnellste Verbindung empfunden wird und die Schwimmbäder längst geschlossen haben oder in Dörfern, in denen der letzte Penny-Markt und die berühmte Dorfkneipe bereits geschlossen, der nächste Supermarkt eine Viertelstunde Autofahrt in Anspruch nimmt oder der Linienbus dreimal am Tag abfährt. Ebenfalls aufzuzählen sind großstädtische Vororte mit prekären sozialen Verhältnissen. Hierbei ist die Stadt-Land-Frage keine immanent ausschlaggebende. Die Immanenz liegt bei der Frage des Lebensgefühls, der multiplen Optionalität und situativen Selbst- Definitionen. Die Zurückgebliebenen ringen um Deutungshoheit  unter Rückbesinnung auf einen neuaufkommenden und bisdato weniger bekannten nationalen Stolz. Alles in allem geht es hier um die klärende sowie identitätsstiftende  Sinnfrage nach dem Wohin.

 


Ikonografie eines Windbeutels: Europa bläst - Demokratie schluckt - Anarchie kommt


Fotoserie:

"heavy on duty- snow cone" 2017

"heavy on duty- secret garden" 2017

"heavy on duty- like a jointure" 2017

"heavy on duty- dirty high´s" 2017


Rauminstallation: "somewhere we belong" 2015