"Blauer Charoun auf seinem Nachen" 2005

Wie heißt die Farbe, die nachts das Meer hat und der Himmel?

Es ist kein Blau, kein Schwarz und der Mond auf den Wellen ist nicht weiß noch grau; die Sichel ist sich selbst treu auf halbem Durchschnitt.

Die Wellen, die wie Bruchkanten eines Gesteins um den Schiffsrumpf treiben, glänzen in gerade dieser unbekannten Farbe, wie eben auch der Charoun.

Das Träumen ist ein höherer Zustand als das Wachen.

Der Traum entspricht dem Aspekt des Seins und beinhaltet alle Möglichkeiten desselbigen.

Für den Menschen gibt es zwei Zustände des Seins, den einen im Diesseits, den anderen im Jenseits.

Es gibt aber auch einen dritten mittleren Seinszustand, den des Schlafs. 

Im mittleren Zustand erlebt der Mensch alle Zustände zugleich, teils bewusst und teils unbewusst.

Dem mythologischen Ursprung unserer Träume nach ruft hier die Tiefenschicht unserer Psyche das archetypische reich der Unterwelt wach. Träume aus dem unbewussten Sein sind Reflexionen von Hades, Pluto, Charoun und Acheroun. Alles entwickelt sich in die Helix der Tiefen. So wie das Ende der Hades ist, ist auch das Ziel der Hades - für's Erste zumindest - bevor die Wanderschaft des ewigen Vagabunden auf einer abgewandelten Daseinsebene wieder aufgenommen werden kann. Der Mensch ist ein ewiger Wanderer - ganz im Sinne der Hidschra.

 

Die bei dieser Installation verwendeten Materialien handelt sich ausschließlich um Findlinge aus Frankfurter Sperrmüllhaufen.

 

Materialien:

Organza, Dachlatte, Dreikanthölzer, Garn, Stromkabel, Leuchtstoffröhren, Ventilatoren, Baumwollkugeln, vergoldete Röhrchen, Glasplatten

Maßen: 500cm x 600 cm x 400 cm

 


"In the name of Democracy and the Son: Hasta lu-we-go Hasta lu-you-stay" 2017

Dieses Materialarrangement zählt zur Guerilla-Art-Reihe und entstand zufällig bei einem Familienspaziergang und nach einem Abendessen in dem kleinen Fischerdorf Los Abrigos auf Teneriffa.

Thematisiert wird die Kolonialisierung und damit einhergehende Plünderung natürlicher Ressourcen sowie kultureller Güter, Zerstörung bestehender gesellschaftlicher Strukturen, Versklavung der Einheimischen zugunsten konsumorientierten Lebensstils der Kolonialmächte und die massive Bekämpfung spiritueller Riten als auch die daraus resultierende Identitätskrise der betroffenen Nationen.

Die schwerfälligen Folgen dieser Verbrechen sind in den Ländern immer noch allseits präsent. All das unter dem Deckmantel der Demokratie und im Auftrag Christi. Wohl eher im Auftrag des Antichristen.

 


"the Othering" 2017


"der Wind kommt immer von vorn" 2017

Am Anfang stand die Ortlosigkeit.

Eine Ortlosigkeit, welche nicht aus Mangel an entsprechenden Orten herauswächst, viel eher aus Mangel an entsprechendem Konzept, da es immer viele geben wird, die meine Arbeiten nie als das ansehen werden - eine Reflexion- meiner Geistesblitze, sondern eher als das, was es niemals sein will- die Vollendung einer Konzeption. Ein Konzept als Ursprung und Manifest für jede weitere Herangehensweise und Überlegung.

Der Ursprung meiner Arbeitsweise ist diejenige Kunst, welche sich selbst den Raum gesucht, erobert  und geschaffen hat. Dieser Raum, ein öffentlicher Raum, für jedermann zugänglich und ohne jeglichen Anspruch auf intellektuelle Auseinandersetzung.

Frei für den Geist und Körper. 

Als Künstler wird man immer wieder nach den Kriterien, Konzepten, Techniken und Maßstäben, schlechtem oder gutem Geschmack, Kunst oder keine Kunst gefragt.

Dabei ist Kunst keine Sache des Geschmacks, eher der Auswahl. Eine Auswahl von differenten Alltagsobjekten, welche eisernen Willen, pure Entschlossenheit und  situationsbedingte Entscheidungsfreiheit voraussetzt.

Während Geschmack unbestimmt, ungeklärt, stimmungsabhängig gar unbegründet bleibt.

Material:

Treibholz 240 cm, Sand

 


"Somewhere we belong" 2015

 

Krieg, Austreibung und Flucht bilden die thematische Grundlage dieser Licht-Raum-Installation sowie das damit einhergehende und simultan statt findende Ereignis der Entwurzelung und des Wurzelschlagens, entstanden aus der Wirkung ambivalenter Vorgänge, die die Gestaltung des Alltags in längst Unfremdem und womöglich niemals Eigenem eintrüben. Metaphorisch gesprochen ist dieser Sachverhalt mit einer entwurzelten Pflanze zu vergleichen, welche ohne eine erneute Möglichkeit des Wurzelschlagens dem Tode geweiht ist.

Diese Installation ist Menschen gewidmet, die gestrandet aber unlängst daheim angekommen sind. "Somewhere we belong" 2015

 

Konzept:

Die in dieser Installation verwendeten Materialien wurden hauptsächlich an verschiedensten Orten (Deutschland, Niederlande,Frankreich, Spanien, Portugal und Belgien) gefunden und gesammelt. Beim Einsatz einzelner Findlinge bleibt zwar deren Grundstruktur erhalten, die kontextuelle Zusammensetzung wird jedoch stets an das räumliche Umfeld sowie in Kohärenz mit weiteren verwendeten Findlingen jeweils neu ausgelotet.

 

Materialien:

diverse Holzplatten,Treibholz, Pflanzenstiele, Gardinenstangen, Ofenluke, Fensterrahmen,Flummis, Apothekerglasflasche, Rehschädelknochen, Kabel, Glühbirnen und Fassungen,Aufstiegbügel, Puppe, Draht, Motoren, diverse elektrisch betriebene Teile, Spiegel, Dosen,Garn, Draht, Haken, Metallschienen, Ölkanister, Leuchtstoffmittel

 


"von Konstruktion über Dekonstruktion zur Neonstruktion " 2006

Gegenständlichkeit, Abstraktion und Konzeptkunst verbinden sich in den Einzelobjekten und Rauminstallationen zu ganz eigenständigen und individuellen Werken mit hohem Maß an Unfertigkeit.

Unfertig sind sie nicht in dem Sinne, dass ihnen oder in ihnen etwas fehlt, unfertig ist der permanente geistige Prozess, unfertig ist alles was lebt, also was in Bewegung ist, Richtung nimmt, Entscheidungen trifft, empfindet, wahrnimmt, kommuniziert, erkennt, findet, Konstruiertes auseinandernimmt und neu strukturiert. Insofern gibt es keine wirklich abgeschlossene Installation. Jede ausgestellte Installation oder jedes Exponat ist nur für den begrenzten Zeitraum einer Ausstellung abgeschlossen.

Diese Abgeschlossenheit geht nach Ende einer Ausstellung in die Unfertigkeit über, d.h. das Exponat ist sofort für die Weiterentwicklung bereit. So lassen sich die Licht-Rauminstallationen auch nicht auf Formfragen reduzieren, sondern zielen stets auf einen komplexen Inhalt. Kunst ist nicht primär Form sowie ein Produkt der Wahrnehmung. Kunst ist materialisierter Gedanke, gestaltete Materie und Konzept. Kunst ist Sein, Sein des Künstlers, Sein des Betrachters. Die menschliche Existenz und ihre Problemstellungen verdichten sich im konkreten Kunstwerk.

Licht ist ein Raumbildner, der Raumbildner schlechthin. Licht ist ferner ein immaterielles Medium, welches dennoch materiell erscheint, ein Medium der Wahrnehmung, und zwar noch bevor es zum Medium der Darstellung wird. Darum wird zu Recht der Ausdruck Licht- Raum-Installation verwendet, weil erst im Licht der Raum zu tagen beginnt. Das Tagen des Raumes ist dabei ein Tagen, das im Partizipienten selbst stattfindet. Die Lichtung ist ein Vorgang der sinnlichen Wahrnehmung, als erste Stufe der Erkenntnis, worin man, wie es Goethe sagt, die Taten des Lichtes bemerken, beobachten, begreifen, spüren lernen kann. Insofern sind alle Lichtkünstler Lehrer und ihre Werke Übungen der Wahrnehmung.


Raumzeichnung (2015)

Die Gestaltung  jeder Raumzeichnung folgt denselben Grundlagen, die bei jedem einzelnen Werk jedoch zu einer individuellen sowie unverwechselbaren Erscheinung führen. Offene und meist körperlose Objekte bilden das Grundgerüst einzelner Elemente der Raumzeichnungen, welche die Grenzen zwischen Zeichnung und in Sequenzen existierende Skulptur stets neu ausloten. Die einzelnen Bestandteile sind so collagenartig zusammengesetzt, dass deren skulpturale Bedeutung von Teil zu Teil überspringt und den Raum mit in das Werk einbezieht. Einzelne Bestandteile bewahren ihren fragmentarischen Eigencharakter, das Starre, Sprunghafte und Offene ihrer Herkunft und Verarbeitung, und ihre Oberfläche schließt sich nicht als Haut vom Raum ab, sondern wirkt als rostige, geschmiedete, geschweißte, gehobelte, geschliffene oder übermalte Materie wie eine Kontaktfläche zum sie umgebenden, offenen und in sie einbezogenen Raum.

Die Lücken in und mit den Teilelementen deuten auf die Zwiespältigkeit der Wahrnehmung, die in einer dauerhaften Behauptung eingeklemmt bleibt. Da ist etwas, da ist nichts. Diese „Bilder“ schweben zwischen Anwesenheit und Abwesenheit von Materie und kennzeichnen die Ästhetik der Neugierde. Der durch die Neugier gepackte Partizipient bewegt sich durch den Raum und erfasst augenblicklich die Wesensart des Werkes und Künstlers. Er kommt in Versuchung des umstandslosen Ergriffenwerdens durch das Werk, bei gleichzeitiger Sträubung, die durch die vielen elektrischen Leitungen und integrierten Stromkreisen hervorgerufen wird. Die Ästhetik der Neugierde misstraut dem vollendeten Werk. Unter dem Kunstvollen und Makellosen kann er nach dem zur Grunde liegenden Sinn nicht forschen. Den flanierenden Neugierigen lässt das Durchdachte und bis zum letzten Punkt genau Vorgeplante kalt, während das Rohe, Unfertige, Schäbige und Ungestaltete ihn sensuell ergreift. Die Kunst, die auf dem Ideal der Schönheit aufbaut, interessiert nur Schöngeister. Die Kunst ist zum Leben verurteilt, und Leben ist Realität. Wenn die Kunst die Realität poetisch verklärt und die Schattenseiten des Seins negiert, dann verkommt sie zum bloßen Ornament. Pseudo-Schönheit hat mit Leben nichts gemein. Die Licht-Raum-Zeichnungen, die an realen Orten irreale Architekturen suggerieren, werden in surreale Welten transponiert und mit Dingsymbolik aufgeladen. 


Sinn-Fonie der Tauben (2015)

Kunst kann keine sozialen und schon gar keine politischen Fragen beantworten, geschweige denn lösen, doch sie kann diese zumindest erfahrbar und somit sichtbar machen. Die Aufklärung über gesellschaftliche und politische Umstände ist seit jeher ein ehrgeiziges Anliegen der Kunstschaffenden und wird sicherlich auch weiterhin bleiben.

Die Fotografie "Sinn-Fonie der Tauben" verfolgt eine genau solche Intention, die weit über die kollektive Erfahrbarkeit hinaus geht, weil es hier um viel mehr geht, nämlich um die einst  in jahrelangem Widerstand gewonnene und längst wieder verlorengegangene kollektive Identität, als Sinnbild der einstmals erkämpften Freiheit.

Mir geht es hierbei um die Frage nach der Integrität der sogenannten Bundesbürger und ihr Bekenntnis zu den freiheitlich demokratischen Grundsätzen der Bundesrepublik Deutschland im Allgemeinen sowie der dazu  aktuellen widersinnigen sozialen Entwicklung. Ebenfalls brisant in diesem Sinne ist die Fragestellung nach  Vereinbarkeit offensichtlich rechtsextremer bis neofaschistischer Tendenzen und der gegenwärtig offenkundig und einbahnig geführten Debatte um die sogenannte "Deutsche Leitkultur". Eine Leitkultur, welche sich Meinungsfreiheit sowie Religionsfreiheit u.a. auf die Fahnen schreibt, jedoch in der gängigen Praxis im Gegenpol verharrt bleibt. Klar sind wir hier in Deutschland. Wo denn sonst wenn nicht hier?

 


Raxš (2017)

Raxš ist der Hengst des Protagonisten Rostam aus dem Shahname, dem Nationalepos persisch- bzw. darisprachiger Welt, des Abū L-Qāsim Firdousī (*940 n. Chr. in Bāz), persischer Epiker und einer der Gründer des Dari.

Raxš ist schneeweiß und besitzt eine rote Mähne. Seine überdurchschnittliche Intelligenz wird höchstens von seiner unermeßlichen Loyalität gegenüber Rostam, dem Prinzen aus Zabulistan, übertroffen. Dem Epos zufolge wählt Rostam aus den zahlreichen Pferdherden seines Vaters Zāl in Zabulistan und Kabulistan ein Fohlen, ohne jegliche Brandzeichnung, was als Zeichen der Bestimmung gedeutet wurde,  nach dem Rostam Raxš´s Mutter, eine graue Stute, besiegt hatte.

 

In Anlehnung an den Shahnameh von Abū L-Qāsim Firdousī 

übersetzt ins Deutsche von

Friedrich Rückert (deutscher Orientalist).

Materialien: Äste, Steine und weißes Garn